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Wir wollen die Gesichter hinter dem Bildungsstreik vorstellen, zeigen, was jenseits der Berichterstattung der Medien passiert, Aspekte schildern, die der Öffentlichkeit kaum zugänglich sind, kurz: Wir berichten über den Bildungsstreik. Aus persönlichen Perspektiven.

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Protokoll einer Frühlingsreise...

Nach langer Abstinenz nutze ich die Rückkehr aus Wien um hier mal wieder ein paar Gedanken loszuwerden.

Kurz gesagt: Wien war toll. 

Die Demo hat Elwinchen schon sehr treffend beschrieben. Die Stimmung war trotz nicht allzu sommerlicher Temperaturen hervorragend. Und die Polizei hielt sich bis auf die Aktion am Parlament (der angesprochene Flashmob) dezent im Hintergrund. Eine Tatsache die mich nach den Erfahrungen in Frankfurt positiv überraschte.

Nach der Demo teilten sich die Protestierenden in die verschiedenen Züge auf und verteilten sich über die Stadt. Eine sehr schöne Erinnerung mit 600+ Leuten eine U-bahnstation zu stürmen ("Wessen U-Bahn?" "Unsere U-Bahn!). Danach wollten wir zu unserem Blockadepunkt, doch die Polizei war leider der Igel der uns bei jedem neuen Anlauf über verschiedene Seitengassen entgegenrief: "Ich bin schon da". Es wurden einige Versuche, auch von Regensburgern, unternommen durchzubrechen, doch insgesamt war der Großteil der Gruppe nicht auf eine Schlägerei mit der Polizei aus und die Blockaden der Polizei blieben stehen.

Hat mich am Anfang etwas gestört, dass die Polizei uns hier einen Schritt vorraus war, rückblickend muss ich sagen das war ok so. Ich bin nicht nach Wien gefahren um mich mit den grünen Männchen zu prügeln, das Medienecho wäre dadurch wohl auch nicht größer geworden. Ich hätte gerne persönlich vor dem Auto eines Ministers gesessen und ihn geärgert, aber hat halt nicht sollen sein.

Leider sah die Polizei das nicht so entspannt, die griffen durchaus hart zu wenn man sich nicht ihren Wünschen gemäß verhielt und eine Gruppe wurde wohl auch mit Pfefferspray und ähnlichem von ihrer Position vertrieben.
Hier fehlt mir allerdings der Überblick, gerade als nicht Ortskundiger war ich sehr damit beschäftigt in erster Linie in der Nähe unserer regensburger Bezugsgruppe "Brüste" zu bleiben und andererseits der roten Fahne die unsere Blockadegruppe anführte nachzurennen. Wie es anderen Gruppen ergangen war erfuhr ich erst im Nachhinein über einen Twitterstream an der Uni oder über zufällige Begegnungen mit anderen versprengten Grüppchen Blockierender in den Straßen Wiens.

Nach diesem doch ziemlich schleifenden Einstieg in Wien suchten wir unsere WG in Wien auf, die uns in bester Solidarität eine bequeme Heimstatt für die nächsten Tage bot, uns über Sehenswürdigkeiten aufklärte und den guten Eindruck den Wien in einem hinterlässt in jeder Hinsicht unterstreicht.
Ein großes Danke für die nette Beherbergung an Wien!

Nun kommt der Teil des Wienaufenthalts über den ich etwas zwiegespalten bin. 

Mich hätte der Gipfel schon zu einem gewissen Teil interessiert, andererseits muss ich sagen, dass nach mehreren Monaten ständiger Diskussionen und der Tatsache, dass mein Herzensthema Lehramt in keinster Weise angesprochen wurde, meine Motivation zum Bildungsgipfel zu schauen sehr gering war. 

Ich bewundere alle die sich auch hier noch einmal aufraffen konnten und Regensburg dort vertreten haben. Die Eindrücke gesammelt, Ideen ein- und hoffentlich auch wieder nach Regensburg mitgebracht haben und die Bildungsproteste auch auf struktureller Ebene weitergeführt haben.

Seis, dass es wirklich an der Zeit für eine kleine Pause war oder die Gelegenheit mit einer so schönen Stadt vor der Tür besonders günstig, widmete ich mich die folgenden Tagen dem Sightseeing. 

Das Heeresgeschichtliche Museum ist wirklich zu empfehlen, die Gebäude in Wien sind allgemein eine Augenweide und das Palaschinken Pfandl oder die (nach langer Suche wiederentdeckte) Pizzeria Mafioso sind Vorbilder österreichischer Gastfreundlichkeit.

Auch muss ich sagen, war es eine wunderbare Möglichkeit sich etwas vom Bildungsstreik-Stress zu lösen und sich mit einigen Menschen einmal über andere Themen zu unterhalten. (Ja es gibt noch welche und ich muss gestehen diese Erkenntnis hat mich teilweise schon überrascht)



Zurück nach Regensburg:

Ich weiß nicht inwieweit ich mit dieser Einstellung andere Besetzer vertrete, seitdem der H2 nicht mehr besetzt ist, fällt es mir persönlich schwerer den Überblick zu behalten, was gerade passiert.

Ich hoffe nur, dass sich bis spätestens zum Sommer die Reihen wieder dichten, die Leute wieder Zeit, Ideen und Ausdauer gesammelt haben. Denn die Gewissheit, dass es im Sommer weitergehen wird, war für mich mit ein ausschlaggebender Punkt, den H2 vorerst zu verlassen. Und diese Gewissheit ist auch noch da, wenn auch der Optimismus gerade durch kleinere Informationslecks leicht getrübt ist. Aber ich war bei sowas schon immer etwas zu pessimistisch, ich vertraue auf den Bildungssteik.

Darauf, dass sich alle die diesen Sommer und Winter soviel geleistet haben und neu hinzukommende Gesichter sich auch wieder öffentlich sichtbar zusammenschließen und die Missstände im Bildungssystem weiter angehen. Darauf, dass wir Probleme die wir dieses Semester auch in der eigenen Bewegung bemerken mussten bereden und Lösungen dafür entwickeln und zu jener offenen, sachlichen Gesprächskultur zurückfinden, die dieses Bewegung von Anfang an ausgezeichnet hat.


Denn auch das hat mir Wien gezeigt: Es gibt noch viele Bausstellen die auf uns warten, aber es gibt auch noch genug Mitstreiter. Wir müssen nur einen Sammelpunkt anbieten. Und der kann genausogut Regensburg heißen wie Wien.

Krümel am 16.3.10 22:47

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