Textabsätze definieren

Wir wollen die Gesichter hinter dem Bildungsstreik vorstellen, zeigen, was jenseits der Berichterstattung der Medien passiert, Aspekte schildern, die der Öffentlichkeit kaum zugänglich sind, kurz: Wir berichten über den Bildungsstreik. Aus persönlichen Perspektiven.

Letztes Feedback

Meta





 

Neulich im Märchenwald...

Es war einmal vor nicht allzu langer Zeit an einem nicht allzu weit entfernten Ort ein kleines Wäldchen. Lange Zeit lebten viele wuselige Waldgeschöpfe in dieser idyllischen aber doch kargen Landschaft und entrichteten Steuerabgaben an die herrschenden Monarchen.
Die Abgaben wurden aber immer höher, während die Tierchen immer mehr Rechte verloren und so planten sie einen Aufstand. Sie beschlossen über die Ungerechtigkeiten zu diskutieren, kritisierten die Steuern und den Verlust ihrer Rechte. Mit der Hilfe von Barden und Freiwilligen trugen sie ihre Kritik aus dem Wäldchen hinaus in die große, weite Welt. Die herrschenden Monarchen und auch ihr Steuereintreiber, der Strotoger, ignorierten die Forderungen lange Zeit. Doch irgendwann waren sie sehr genervt von ihnen, denn die Tierchen verschafften sich zuviel Gehör bei den Bewohnern des Königreichs.
Und so dachte sich der Strotoger eine List aus, um sie zu schwächen. Er machte Versprechungen, an die er sich nicht hielt. Anfangs ging seine List auch auf, denn er schaffte es die Tierchen zu entzweien und viele von ihnen verließen enttäuscht das Wäldchen. Auch die Barden sangen keine Lieder mehr…
Der Strotoger war siegessicher und wollte nun auch die letzten Waldgeschöpfe vertreiben. Dabei machte er aber einen großen Fehler. Als sich nämlich die letzten Tierchen aufrichteten, erzürnte er und drohte mit seinen Soldaten, wenn die Wesen das Wäldchen nicht demnächst verlassen. Doch die Waldgeschöpfe weigerten sich, ja es kamen sogar diejenigen zurück, die der Strotoger damals mit seiner List vertrieben hatte. Es kehrten auch die Barden zurück und wollten neue Lieder schreiben.
Gemeinsam warteten sie auf die Ankunft der Soldaten und nutzten die verbleibende Zeit. Sie konnten mit ihrem Ungehorsam und Durchhaltevermögen selbst adlige Stadtbewohner, die nahe dem Wäldchen einem Ritterturnier beiwohnten, überzeugen. Die Soldaten hingegen kamen nicht. Auch am nächsten Tag sollten sie nicht erscheinen und so schafften es die mutigen Bewohner noch weitere Wesen für ihren Protest zu begeistern. Dank der Einfältigkeit des Strotogers und seinen leeren Drohungen waren die Tierchen wieder erstarkt und die Barden sangen neue Lieder.
Das Wäldchen füllte sich an den darauf folgenden Tagen immer mehr und die Tierchen waren wieder alle glücklich und zufrieden. Sie musizierten, planten neue Aktionen und begeisterten zukünftige Waldbewohner für ihre Sache. Und wenn ihre Forderungen nicht erfüllt sind, dann streiken sie noch heute....

1 Kommentar Way am 26.2.10 14:26, kommentieren

Nach der Räumung

... so sollte mein heutiger Blogeintrag zumindest ursprünglich heißen.

Wieder einmal hat der Rektor mir ein Schnippchen geschlagen, dieser Halunke. Wieder einmal lässt er seine Firlefanzerei an Gerechtigkeit fordernden Unschuldigen aus. Und an mir auch.

Nichtsdestotrotz: 21:48 Uhr im besetzen H2.

Seit fast 25 Stunden befinden wir uns illegal hier. Und irgendwie interessiert es keinen. Sicher, in der morgendlichen Lagebesprechung wies uns unser Lieblingskanadier darauf hin, dass das Konsequenzen haben würde. Schön für ihn?

Schön aber auch für uns, denn die jetzt gerade stattfindende Jamsession ist wirklich nicht von schlechten Eltern.

Ich bin ohnehin ganz froh, dass hier etwas los ist und was voran geht. Heute war der letzte Tag meines mittlerweile 18monatigen FSJs, und die Vorstellung, dass es unabwendbar vorbei ist, stimmt mich wirklich traurig. Kaum zu glauben, irgendwie ist auch die Neurologische Rehabilitation für mich zu einer Art zu Hause geworden - wie vermutlich alles, in dem man soviel Zeit verbringt und mit dem man soviele emotionale Verknüpfungen verbindet. (Kein Kommentar - wo ich wirklich wohne, weiß ich seit Wochen und Monaten nicht mehr.)

Und obwohl ich in anderer Form ähnliche Arbeit weiter verrichten werde - Patienten und Kollegen werden mir fehlen. Danke für diese lehrreichen, interessanten, lebenswerten, abwechslungsreichen, gefüllten anderthalb Jahre. Ich werd daran denken.

1 Kommentar Elwinchen am 25.2.10 22:07, kommentieren

Von Kindereien und Schokolade

Es ist ein bischen wie auf dem Schulhof. Mäxchen ärgert den größeren Thomas. Thomas verspicht Mäxchen: Nach der Schule bist du dran. Doch in der ersten und zweiten Pause muss Thomas beobachten, wie Mäxchen immer mehr Freunde um sich schart und ihm schon auffordernd zunickt.

Und Thomas versteht, dass es keine gute Idee war sich darauf einzulassen, bewirft seine Lehrerin mit Kreide um Nachsitzen zu müssen und so dem Kampf zu entgehen.

Zwei Tage fühlten wir uns geradezu ignoriert von der Hochschulleitung. Das war uns nicht ganz unrecht, so konnten wir in aller Ruhe Aktionen  vorbereiten, unsere Kontakte zur Presse wieder verstärken und den H2 wieder in einen bewohnbaren Zustand bringen. Doch die Frage: Wann reagiert die Hochschulleitung? Lag immer wie ein ungeöffnetes Überaschungsei in der Ecke. Immer wieder mit Hunger auf Schokolade und Hoffnung auf eine hübsche Figur beäugt.

Dann gestern die Nachricht: Das Ei ist freigegeben. Strothotte gab sich einmal mehr die Ehre uns einen Brief zu schreiben. Sogar mit einem Ultimatum darin: 21:00

Die Spekulationen ob dies nun eine Asterix-Figur sei oder nur ein kleiner Baussatz, wurde hintangestellt, zuerst galt es die Schokolade anzugehen. Süßer Aktionismus zerschmolz uns förmlich auf der Zunge. Der H2 verwandelte sich in eine Hydra mit ebensovielen Armen um angemessen auf den Brief reagieren zu können. Die Leitungen glühten, sowohl intern wie auch nach außen und das Echo war phantastisch: 

Der H2 füllte sich mit noch mehr Streikenden als bei der letzten Räumung am 23. Dezember 09. Auch durften wir wieder einmal viele Pressevertreter begrüßen. Ein gutes Gefühl, man spielt ungern ohne Schiedsrichter. 

Und so versammelte sich eine große bunte Menschenmenge und unter den Klängen von "Final Countdown" wurde 21 Uhr mit interessierte Ruhe erwartet.

Gesprächsgruppen, Transpimaler (um die Besucher des nebenan stattfindenen Konzerts zu informieren), Spielecken mit "Mensch ärgere dich nicht". Die Stimmung war gut, erinnerte an den Aufbruch im November letzten Jahres. Oder Nostalgisch: Es war wie in der guten alten Zeit.

Und....Nichts geschah. 

Thomas hatte gemerkt wieviele Freunde Mäxchen hatte und war nun zu feige auch nur mit ihm zu reden. 

Hätte nicht die Lehrprüfungsordnung mein Erziehungswissenschaftliches Studium komplet verhindert, wüßte ich vielleicht wie man Thomas aus seiner Schmollecke kriegen könnte. 

Doch so müssen wir warten bis er selbst einsieht, wie lächerlich er sich macht. Doch bzgl. dieses Themas verweise ich auf den Eintrag eins unter mir. Da ist die Haltung gegenüber dem Rektor ja schon schön zusammengefasst. 

Wir werden weiter im H2 bleiben, diese Plattform weiter ausbauen und gemeinschaftlich für unsere Ziele Kämpfen. 

Ein großes DANKE, an alle die da waren, sich solidarisiert haben oder uns anderweitig unterstützt haben. Und eine Einladung für heute Abend im H2, denn evtl. hat Thomas ja noch eine schlechte Angewohnheit vom Schulhof mitgenommen: Nachtreten wenn keiner zusieht.

Jetzt aber erst einmal Kuchen backen für Morgen, der Hochschultag wartet. Wir freuen uns auf alle Schüler

3 Kommentare Krümel am 25.2.10 11:27, kommentieren

Rektor traute sich nicht zu räumen

Was bitte ist ein Ultimatum wert, wenn keine Reaktion darauf erfolgt? Oder anders gefragt, haben wir unseren Rektor die ganze Zeit überschätzt? Ist er vielleicht einfach nur ziemlich feige? In der gesamten Zeit der Besetzung hat er immer persönlich die positiven Dinge ausgesprochen, ließ aber jemand anderen die negativen ausrichten, ohne anwesend zu sein. Er hat uns in Gesprächen nie einen Wunsch direkt abgeschlagen, sondern im Nachhinein einen Grund gesucht, warum er wegen unseres Fehlverhaltens sein Wort nicht halten könne. Und gestern stellt er vollmundig, natürlich ohne anwesend zu sein, ein Ultimatum bis 21 Uhr, macht dann aber nichts. (Diese Frage stellt sich nicht) Anscheinend waren wir zu viele und die massive positive Berichterstattung in den Medien und die großartige Unterstützung durch die anwesenden Konzertbesucher schreckten ihn offensichtlich so sehr ab, dass er sich nicht traute, uns räumen zu lassen. Vielen Dank nochmal an alle unsere Unterstützer. Anfangs dachte ich mir nur, der Rektor sei als Verhandlungspartner nichts wert, da er sein Wort nicht hält. Jetzt denke ich, er ist sogar als ernsthafter Gegner nicht zu gebrauchen. Das Plenum hat hieraus bereits die richtige Konsequenz gezogen. Völliges Ignorieren der Hochschulleitung. Wir haben eine Plattform, um zu informieren, um zu mobilisieren und um zu publizieren, selbst außerhalb des H2. Machen wir weiter mit dem Bildungsstreik und verbreiten wir unsere inhaltlichen Forderungen zu einer Reform des Bildungssystems in der Bevölkerung. Der sogenannte Rektor wird daran weder im Positiven noch im Negativen etwas ändern.

2 Kommentare Done am 25.2.10 10:51, kommentieren

Ungeahnte Entwicklungen

Mittlerweile ist es 22:24 Uhr. Sogar einem unaufmerksamen Beobachter im ZH würde auffallen, dass wir immer noch besetzen.
Von der Hochschulleitung kam absolut nichts. Keinerlei Reaktion auf unsere immer noch währende Anwesenheit.
Bezeichnend? Das wird sich noch zeigen.


Aber es gibt noch mehr Neuigkeiten, die die euphorische Stimmung im H2 fördern:
Abgesehen von Soligrüßen aus Berlin und anderen Städten und der breiten Zustimmung der Konzertbesucher, hat der Baron von und zu Gutenberg senior - richtig, der Vater unseres Verteidigungsministers - auf einem spontan gemalten Transparent unsererseits unterschrieben. "Ich denke wie ihr!"


Darüberhinaus bestätigte er uns von sich aus mehrfach, dass er unserer Meinung ist, uns unterstützt und unsere Forderungen auch seine Forderungen sind- der überschwängliche Jubel im H2 sprach für sich. So lobe ich mir das!

1 Kommentar Elwinchen am 24.2.10 22:34, kommentieren

Räumung? Diese Frage stellte sich doch nie.

21:06 Uhr im besetzten H2.

Seit sechs Minuten befinden wir uns illegal in diesem Hörsaal.

Über 60 Besetzende warten mit einer Mischung aus Erwartung und Nervosität auf die heute vom Rektor angekündigten Konsequenzen - die gute Laune lässt sich davon fast niemand verderben.

Wieso auch? Wir werden im Sommer wiederkommen. Die Aktionen sind geplant und beschlossen.

Egal, was heute passiert - wir sind immer noch da. Wir lassen uns nicht mundtot machen.

 

 Mehr gibt es nicht zu sagen. Wir machen weiter.

1 Kommentar Elwinchen am 24.2.10 21:13, kommentieren

O Rektor Strothotte, was hast du getan?

So lautet die erste Zeile aus dem Lied "Der Vollstrecker", welches ein Professor auf der Examensfeier am 3.4.2007 in der Aula der Universität Rostock gespielt hat.

Schon damals hat sich unser Rektor nicht mit Ruhm bekleckert und es ist mittlerweile Gewissheit, dass er zumindest in dieser Hinsicht einen konstanten Kurs fährt.

Doch gehen wir etwas in der Zeit zurück. Die Amtszeit unseres Rektors begann am 01. April 2009. Man kann sagen, dass es ein holpriger Start war, denn es brauchte einen zweiten Wahlgang um ihn als Rektor zu bestätigen. Aber es war immerhin ein Neuanfang und diese bergen natürlich viele Chancen. Er erweckte den Eindruck, dass er diese zu nutzen gedenkt. Dies war vor allem daran erkennbar, dass er nach den kurzen Auftritten im H2 (die wegen terminlichen Gründen meistens nur 45 Minuten dauerten) die Zeit gefunden hat sich mit JournalistInnen oder StudentInnen - voraussgesetzt eine Kamera war auf ihn gerichtet - weitere 30 Minuten zu unterhalten. In diesen Interviews strahlt er eine gewisse positive Entschlossenheit aus, während er das Plenum nur vertröstete. Zu einem gewissen Grad war für mich dies auch nachvollziehbar. Schließlich ist es sicherlich einfacher mit einigen wenigen zu reden, als vor 300 Leuten zu sitzen.

Mittlerweile quält mich aber seit Wochen die Erkenntnis, dass ich mich blenden habe lassen. Es kamen hier viele Faktoren zusammen. Einerseits gab es Unis, die schon etwas erreicht haben im Zuge des Protests und dann dieses nette Onkel Image von Strothotte mit den vielen Versprechen. Für mich persönlich war es ein logischer Schritt in die richtige Richtung der vertraglichen Zusammenarbeit zuzustimmen. Scheinbar war ich nicht alleine, denn dies sollte die Protestform des Jahres 2010 in Regensburg werden. Die BesetzerInnen arbeiteten wieder fleißig und freuten sich auf diese Gespräche. Das Klima der ersten Januarwochen war positiv, obwohl es von Anfang an immer wieder Rückschläge gab. Gut, keiner von uns hat erwartet, dass alle Forderungen binnen ein paar Tagen erfüllt werden.

Doch es wurde leider immer schlimmer. Statt mit uns zusammen zu arbeiten wurde gegen uns gearbeitet. Immer wieder kamen unfreundliche Briefe, die Forderungen stellten und falsche Tatsachen als Gründe nannten. Es wurde Terminen zugestimmt, die kurz darauf wieder abgesagt wurden. Vom Plenum organisierte Veranstaltungen wurden torpediert.

Die BesetzerInnen reichten immer wieder die Hand zu Versöhnung und sie wurde vom Rektor entgegen genommen, mit gekreuzten Fingern hinter dem Rücken…

Lange hat das Plenum diese Lügen geschluckt und auf Zusammenarbeit gehofft, doch nun droht die Situation zu eskalieren. Der Vollstrecker droht mit Räumung und in einer Stunde zeigt sich, wie ernst er es diesmal meint…

1 Kommentar Way am 24.2.10 20:02, kommentieren