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Wir wollen die Gesichter hinter dem Bildungsstreik vorstellen, zeigen, was jenseits der Berichterstattung der Medien passiert, Aspekte schildern, die der Öffentlichkeit kaum zugänglich sind, kurz: Wir berichten über den Bildungsstreik. Aus persönlichen Perspektiven.

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Von Workload, G8 und Anwesenheitspflicht...

... oder: Der Bildungsstreik geht weiter.
Und: Sogar ich bin mittlerweile offiziell als Studentin dabei. Deswegen auch gleich noch enthusiastischer...

Gestern war es soweit: bei mörderischen Temperaturen fing die erste Bildungsstreikdemo des jahres 2010 in Regensburg an.

Los ging es um 14 Uhr an der Uni, nachdem von insgesamt neun Schulen Schüler in vier kleineren Demozügen zur Uni marschiert waren.

Schade, dass bei diesen Temperaturen so mancher Schüler wohl andere Interessen hatte; zumindest waren nicht alle Demozüge so umfangreich wie der der FOS/BOS - zwanzig Schüler wirken einfach recht niedlich, leider wenig eindrucksvoll. Dennoch: Ein schönes Symbol, vielen Dank an alle Schüler, welche die Demo unterstützt haben, und bei der Gelegenheit auch an alle Gewerkschaftler, die sich mit uns für ein besseres Bildungssystem einsetzen!

Trotz der Hitze war die Stimmung recht gut: Die Bildungsstreikenden waren sogar zu pseudo-sportlichen Übungen bereit. ("Hoch mit der Bildung - runter mit der Rüstung!". Und ja, mir ist mein Versprecher schon irgendwie peinlich.^^)

Interessant war auch das massive Polizeiaufgebot. Vorallem nach der zweiten - jeweils nur wenige Minuten dauernden - Sitzblockade und nachdem einige der Demonstrierenden (mal wieder ;P) vor einem Polizeiauto saßen und selbiges am weiterfahren hinderten, wurden wir von weiteren sechs Sixpacks begleitet, die aber, bis auf einen Übergriff, friedlich blieben. In dem Sinne vielen Dank für die fürsorgliche Betreuung, ich habe mich selten so sicher gefühlt. Und wurde selten so konsequent fotographiert, ich hoffe, wir bekommen Abzüge.

Alles in allem: Schöne Demo trotz gefühlt tropischer Temperaturen,  gute Abschlusskundgebung und vorallem: der Bildungsstreik geht weiter. Wir haben noch lange nicht genug erreicht.

Die Besetzungen des letzten Semesters waren ein Auftakt, jetzt muss es auf einem neuen Level weitergehen!

 

Wessen Bildung? - UNSERE BILDUNG!

1 Kommentar Elwinchen am 10.6.10 11:40, kommentieren

Protokoll einer Frühlingsreise...

Nach langer Abstinenz nutze ich die Rückkehr aus Wien um hier mal wieder ein paar Gedanken loszuwerden.

Kurz gesagt: Wien war toll. 

Die Demo hat Elwinchen schon sehr treffend beschrieben. Die Stimmung war trotz nicht allzu sommerlicher Temperaturen hervorragend. Und die Polizei hielt sich bis auf die Aktion am Parlament (der angesprochene Flashmob) dezent im Hintergrund. Eine Tatsache die mich nach den Erfahrungen in Frankfurt positiv überraschte.

Nach der Demo teilten sich die Protestierenden in die verschiedenen Züge auf und verteilten sich über die Stadt. Eine sehr schöne Erinnerung mit 600+ Leuten eine U-bahnstation zu stürmen ("Wessen U-Bahn?" "Unsere U-Bahn!). Danach wollten wir zu unserem Blockadepunkt, doch die Polizei war leider der Igel der uns bei jedem neuen Anlauf über verschiedene Seitengassen entgegenrief: "Ich bin schon da". Es wurden einige Versuche, auch von Regensburgern, unternommen durchzubrechen, doch insgesamt war der Großteil der Gruppe nicht auf eine Schlägerei mit der Polizei aus und die Blockaden der Polizei blieben stehen.

Hat mich am Anfang etwas gestört, dass die Polizei uns hier einen Schritt vorraus war, rückblickend muss ich sagen das war ok so. Ich bin nicht nach Wien gefahren um mich mit den grünen Männchen zu prügeln, das Medienecho wäre dadurch wohl auch nicht größer geworden. Ich hätte gerne persönlich vor dem Auto eines Ministers gesessen und ihn geärgert, aber hat halt nicht sollen sein.

Leider sah die Polizei das nicht so entspannt, die griffen durchaus hart zu wenn man sich nicht ihren Wünschen gemäß verhielt und eine Gruppe wurde wohl auch mit Pfefferspray und ähnlichem von ihrer Position vertrieben.
Hier fehlt mir allerdings der Überblick, gerade als nicht Ortskundiger war ich sehr damit beschäftigt in erster Linie in der Nähe unserer regensburger Bezugsgruppe "Brüste" zu bleiben und andererseits der roten Fahne die unsere Blockadegruppe anführte nachzurennen. Wie es anderen Gruppen ergangen war erfuhr ich erst im Nachhinein über einen Twitterstream an der Uni oder über zufällige Begegnungen mit anderen versprengten Grüppchen Blockierender in den Straßen Wiens.

Nach diesem doch ziemlich schleifenden Einstieg in Wien suchten wir unsere WG in Wien auf, die uns in bester Solidarität eine bequeme Heimstatt für die nächsten Tage bot, uns über Sehenswürdigkeiten aufklärte und den guten Eindruck den Wien in einem hinterlässt in jeder Hinsicht unterstreicht.
Ein großes Danke für die nette Beherbergung an Wien!

Nun kommt der Teil des Wienaufenthalts über den ich etwas zwiegespalten bin. 

Mich hätte der Gipfel schon zu einem gewissen Teil interessiert, andererseits muss ich sagen, dass nach mehreren Monaten ständiger Diskussionen und der Tatsache, dass mein Herzensthema Lehramt in keinster Weise angesprochen wurde, meine Motivation zum Bildungsgipfel zu schauen sehr gering war. 

Ich bewundere alle die sich auch hier noch einmal aufraffen konnten und Regensburg dort vertreten haben. Die Eindrücke gesammelt, Ideen ein- und hoffentlich auch wieder nach Regensburg mitgebracht haben und die Bildungsproteste auch auf struktureller Ebene weitergeführt haben.

Seis, dass es wirklich an der Zeit für eine kleine Pause war oder die Gelegenheit mit einer so schönen Stadt vor der Tür besonders günstig, widmete ich mich die folgenden Tagen dem Sightseeing. 

Das Heeresgeschichtliche Museum ist wirklich zu empfehlen, die Gebäude in Wien sind allgemein eine Augenweide und das Palaschinken Pfandl oder die (nach langer Suche wiederentdeckte) Pizzeria Mafioso sind Vorbilder österreichischer Gastfreundlichkeit.

Auch muss ich sagen, war es eine wunderbare Möglichkeit sich etwas vom Bildungsstreik-Stress zu lösen und sich mit einigen Menschen einmal über andere Themen zu unterhalten. (Ja es gibt noch welche und ich muss gestehen diese Erkenntnis hat mich teilweise schon überrascht)



Zurück nach Regensburg:

Ich weiß nicht inwieweit ich mit dieser Einstellung andere Besetzer vertrete, seitdem der H2 nicht mehr besetzt ist, fällt es mir persönlich schwerer den Überblick zu behalten, was gerade passiert.

Ich hoffe nur, dass sich bis spätestens zum Sommer die Reihen wieder dichten, die Leute wieder Zeit, Ideen und Ausdauer gesammelt haben. Denn die Gewissheit, dass es im Sommer weitergehen wird, war für mich mit ein ausschlaggebender Punkt, den H2 vorerst zu verlassen. Und diese Gewissheit ist auch noch da, wenn auch der Optimismus gerade durch kleinere Informationslecks leicht getrübt ist. Aber ich war bei sowas schon immer etwas zu pessimistisch, ich vertraue auf den Bildungssteik.

Darauf, dass sich alle die diesen Sommer und Winter soviel geleistet haben und neu hinzukommende Gesichter sich auch wieder öffentlich sichtbar zusammenschließen und die Missstände im Bildungssystem weiter angehen. Darauf, dass wir Probleme die wir dieses Semester auch in der eigenen Bewegung bemerken mussten bereden und Lösungen dafür entwickeln und zu jener offenen, sachlichen Gesprächskultur zurückfinden, die dieses Bewegung von Anfang an ausgezeichnet hat.


Denn auch das hat mir Wien gezeigt: Es gibt noch viele Bausstellen die auf uns warten, aber es gibt auch noch genug Mitstreiter. Wir müssen nur einen Sammelpunkt anbieten. Und der kann genausogut Regensburg heißen wie Wien.

1 Kommentar Krümel am 16.3.10 22:47, kommentieren

Bologna Burns - oder: Endlich wieder Großstadt

Nach der Spontanentscheidung, nach Wien zu fahren, bin ich wie üblich erstmal in Panik verfallen. Für Reisen zu packen ist einfach nicht so meins...

Aber schon die Fahrt gestaltete sich recht gemütlich. Standard: Der typische Kuschelkurs der (Ehemaligen-)-Regensburger-Besetzenden. Diesmal allerdings eher in der durch fünf Insassen bedingten Enge des Fahrzeugs begründet...

Trotzdem: Diskussionsrunden finden in der kleinsten Hütte statt. Und in dem Fall eben auch in einem Auto.

Kaum angekommen, haben wir nach einigen Wirrungen(Wien ist soooo groß) doch zur Demo gefunden, nachdem wir unsere ausgesprochen nette und gastfreundliche WG kennengelernt haben.

Die Demo an sich war schon ziemlich geil. Das kommt halt dabei heraus, wenn:

- die anwesenden Regensburger beschließen, dass der Rest der Demospitze eindeutig zu leise ist und es deswegen Parolen zu brüllen gilt.

- man beschließt, dass es viel schöner wäre, die Polizei zu überholen, und das deswegen auch einfach mal tut

- man zur Uni, an der die Demo vorbeiführte, raufgeht, nur, um sich die Demo anzuschauen, und sich dann hundert Leute dem anschließen

- ein spontaner Flashmob (titelte irgendeine hiesige Zeitung - wir Regensburger wollten uns das ganze ja bloß aus der Nähe anschauen) dazu führt, dass fast tausend Menschen auf den Treppen des Parlaments stehen und lautstark "no border - no nation - free education!" fordern

- das ganze einfach grundsätzlich ziemlich viel Spaß macht.

Respekt an die Wiener, die Organisation war super!

Nach offiziellem Ende der Demo teilten sich die Anwesenden in sechs Blockade-Blocks auf - der grüne Block Nr.3 war dabei mit ca. 300 Mitgliedern noch mit Abstand der kleinste. Lustig, dann zu erfahren, dass man natürlich in dem Block gelandet ist, dem die meisten Sanis zugeteilt wurden Nachdem es misslang, die erste Polizeisperre zu überrennen, wurde das ganze stressig. Laufen, laufen, laufen...

Dummerweise war die Polizei samt Sperre meistens schon da. Kein Wunder, bei dem massiven Einsatz u.a. auch von Hubschraubern...

Irgendwann besetzten wir dann eine Kreuzung (entstanden daraus, dass ein Mitglied der Bezugsgruppe "Brüste") sich automatisch vor einen Polizeiwagen stellte, der vorbeifahren wollte) und verursachten dadurch einen Stau, in dem offenbar auch etliche Teilnehmer der Geburtstagsfeier für Bologna festsaßen. Immerhin!

Anschließend haben wir uns noch angeschaut, wie die Wiener so besetzen. Auch gemütlich, aber trotzdem fehlte mir den ganzen Tag doch der große Rest der Bildungsstreikenden aus Regensburg. Ohne euch fehlt was

Letzten Endes bleibt zum Donnerstag, an dessen Ende ich ziemlich fertig und selbstredend heiser ins goffseidank bereitgestellte Bett fiel, noch eins zu sagen: Wer sich mit uns Indiana Jones Teil 13: "Indiana Jones und die österreische Aquarellmalerei... des SCHRECKENS" anschauen will, sollte sich einfach melden. Ihre Werbetranspis sollten manche Wiener Museen vielleicht noch überdenken :D

Heute ist jetzt große Kulturtour angesagt: Museen über Museen und natürlich einen Ausbau des gestrigen Stadtrundgangs aka Demo.

Ich persönliche schlendere jetzt seit drei Stunden durch Wien nach dem Motto "Da drüben siehts auch nett aus!", was im Klartext bedeutet, dass ich in zwei Stunden die nächstliegende U-Bahnstation aufsuche und hoffe, dass ich zu meinem Zielort (Fotoausstellung "Kontroversen" im Hundertwasserhaus) nicht allzu oft umsteigen muss.

1 Kommentar Elwinchen am 12.3.10 13:28, kommentieren

Einige Tage später.

Eigentlich wollte ich schon viel früher schreiben. Genug Inhalt hätte es in der letzten Woche schon gegeben, aber irgendwie war es zuviel, als dass es in Textform gepasst hätte. Mit dem Abstand von fast einer Woche schaffe ich es vielleicht...

Vorneweg sei zugegeben: Akut besetze ich nur mein Bett. Die Besetzung der Universität Regensburg ist unter Vorbehalt bis auf weiteres beendet.

 

Wie es dazu kam?

Kurz und möglichst sachlich: Die Mehrheit der am Samstag und Sonntag im H2 bei extra einberufenen Notfallplenumssitzungen anwesenden Menschen beschloss eine Besetzung der Verwaltung am Montag. Damit einher ging natürlich das Verlassen des H2.

 

Nach zwölfeinhalb Stunden Besetzung haben wir das Gebäude verlassen. Dazwischen kam es u.a. zu:

Verhandlungen mit dem Senatsvorsitzenden, Bildung eines Solibalkons, Türenknallen von Strotti, Megafongebrülle, gemütlichem Rumlungern vor Strottis Büro, Gesprächen über die konkrete Erfüllung unserer Forderungen, Androhung von Strafanzeigen,  der Räumung des leerstehenden H2, vielen Fragen der Presse, Diskussionen von Balkon zu Balkon, neuneinhalbstündigen Verhandlungen und Diskussionen im Senatssaal, der Erfüllung einiger Wunschlisten (Danke nochmal!) und noch viel, viel mehr...

Was soll man mehr sagen - im Sommersemester kommen wir wieder. Es gibt noch mehr als genug, für das es sich einzusetzen gilt!

Elwinchen am 7.3.10 13:57, kommentieren

Erzählung eines Verwaltungsangestellten

Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn man in das Verwaltungsgebäude reingeht, genau bei der Tür, an der man einen Tag zuvor noch ein Handgemenge mit einem Verwaltungsangestellten hatte. (Ich konnte nunmal nicht zulassen, dass er die Tür zuschließt, was ihn so erboste und aggressiv machte, dass er meine Hellebarde zerstören wollte.)

Wenn man dann an den Aufzügen, die wir als Abwehr gegen die Polizei blockiert hatten, vorbeigeht, die Treppe hinauf, wo ganz oben der besetzte Gang war.

Dort war der Ort, wo sich der Rektor der Universität verängstigt in sein Büro einschloss, wo wir das Dach erstürmten und der Öffentlichkeit unsere Entschlossenheit und unsere Forderungen lautstark präsentierten, wo wir den Strafanzeigen und Polizeidrohungen widerstanden und Gespräche erzwangen.

Nun stehe ich, nachdem ich tags zuvor 12 einhalb Stunden illegal die Verwaltung der Universität Regensburg mitbesetzt habe und 9 einhalb Stunden harte Verhandlungen ausfocht, in diesem Gebäude und es sieht aus, als wäre nichts gewesen.

Also marschier ich weiter, in den Raum, in dem ich vor fast zwei Jahren meinen Eid auf die Bayerische Verfassung geschworen hatte und unterschreibe die Verlängerung meines Vertrags als Angestellter (WHK) dieser Universität.

Wie paradox!

Aber so irr es sich auch anhört, es war auch dieser Eid, der mich dazu zwang, gegen meinen Staat aufzustehen, für Demokratie, gute Bildung und gegen soziale Selektion.

Und jetzt, wo wir endlich Erfolg haben, endlich was bewegt haben nach 103 Tagen Besetzung, da kommt in mir das Gefühl hoch, dass die wahren Feinde des Bildungsstreiks nicht in der Verwaltung der Uni sitzen.

1 Kommentar Done am 3.3.10 19:19, kommentieren

Mäuse, Eulen und die schützende Kraft der Sonne

Man muss sagen, dass sich in den letzten Tagen im H2 eine merkwürdige Sitte eingestellt hat. Nunja, vielleicht ist es auch wieder eine Rückkehr zur Normalität einer Besetzung. Auf jeden Fall lässt sich sagen, dass der H2 in letzter Zeit eine bewundernswerte Schlaflosigkeit an den Tag legt. Bis früh um halb 6, halb 7 Uhr Morgens sieht man die Besetzer noch geschäfftig ihr Handwerk verrichten.

Euer Krümel konnte sich leider aufgrund bereits akuten Schlafmangels nicht beteiligen, wurde aber gerade so Zeuge dieser nächtlichen Aktivitäten. Denn als der Wecker um halb 6 klingelte und er müde durch das Zentrale Hörsaalgebäude (das Wort kommt heute noch öfter vor, deswegen ab hier nur noch ZH genannt) tapste kam ihm ein übernächtigter Besetzer entgegen und verkündete Stolz: "Die ganz Tiefstraße ist jetzt mit Sprüchen voll. Das is so geil. Schaust du mal kurz mit ob ich mich verschrieben habe? Ich bin so scheiß müde." Und in der Tat, in den fabrigsten Kreidespuren leuchtete einem die Tiefstraße entgegen. "Weg mit der Hochschuldiktatur - Demokratie jetzt" "Masterplätze für alle" "Kein Schmalspurstuidum" - Ein würdiger Empfang für die Schüler.

Der Besetzer legte sich anschließend, wenn auch nur kurzzeitig, zur wohlverdienten Ruhe. Krümel vervollständigte noch den Vortrag über die Besetzung, begrüßte die Cafete und sah manches mal doch schon fast sorgenvoll auf die Uhr. 7 Uhr war es mittlerweile geworden und eigentlich wollte man schon um halb 6 die Banner und Plakate wieder im ZH aufhängen und einen Infostand aufbauen.

Andererseits wusste er einerseits nicht nur von den nächtlichen Aktivitäten des H2, sondern auch von der unglaublichen Effektivität der Besetzer, wenn sie erst einmal wach waren. Und so wurden alle Aufgaben frohen Mutes auf 8 Uhr verschoben.  Um diese Zeit wurde dann auch zum Wecken gerufen; verschlafene Augen blinzelten in das grelle Kunstlicht, der Tag hatte begonnen, es gab viel zu tun.

Doch, sei es Teufel oder glückliche Fügung, die Uhr schlug 9 bis alle Türen geöffnet, alle Materialien gefunden waren. Aber diese Frage sollte erst später an diesem Tag beantwortet werden können. Habt Geduld.

Bereits um 8 Uhr erreichte uns die Nachricht, dass in der Tiefstraße 3 Männer der Verwaltung abgestellt worden waren um mithilfe eines Hydranten und mehrerer Besen unsere Begrüßungszeilen für die Schüler wieder zu entfernen. Kein guter Start, aber der Tag hatte ja gerade erst begonnen.

Schließlich um 9 Uhr waren alle Schranken überwunden, es konnte beginnen. 3 Teams bildeten sich heraus. Das Erste hängte im gesamten ZH die Plakate und Banner der Besetzung unter den Blicken der ersten Schüler wieder auf. Die Plakate waren zwei Tage vorher vorsorglich abgehängt worden um sie vor der Zerstörung durch die Hochschulleitung zu bewahren. Betrachtet man die Reaktion auf die Kreideschriften in der Tiefstraße wohl nicht ganz zu unrecht.

Die Zweite Gruppe baute direkt vor dem H2, im Herzen des ZH den Infostand des Bildungsstreiks auf. Ein großer Tisch, zwei Plakatwände, unzählige Flyer, Knabbereien und fröhliche Gesichter begrüßten ebenfalls verschlafen wirkende Schüler. 

Alle anderen Besetzer verblieben im H2 um die Schüler zu begrüßen, die sich auch ohne direkte Werbung in den besetzten Hörsaal wagten. Und das waren, obwohl am Anfang zögerlich, doch viel mehr als wir uns erhofft hatten, bzw. in der ersten Stunde auch mehr als wir betreuen konnten. Aber minütlich bekamen wir die Situation besser in den Griff. Ab halb 10 konnten wir den Besuchern Kaffee, ab halb 11  auch Kuchen anbieten.

Und wir fanden sogar noch Zeit ein kleines Theaterstück für die Schüler vorzubereiten, die im Audimax einem Vortrag unserers Rektors Strothotte beiwohnten. Hierfür griffen wir auf eine Idee aus dem letzten Jahr zurück.

Es wurde ein (durch ein übergroßes Pappschild symbolisiertes) Semester-ticket angeboten, zum einmaligen Preis von nur 500€. Daraufhin erhoben sich viele die ebenfalls ein Studium forderten, sich aber die 500€ nicht leisten konnten. Der Anbieter des Tickets winkte nur hämisch lachend ab, kassierte von einer gut gekleideten Dame aus wohlhabendem Hause die 500€ und wurde von der Gruppe entäuschter Studienwilligen verfolgt.

Unterstützt wurde diese Aktion durch unsere AG Schüler, die währendessen für ihre Demo am 5.3. flyerten und das Audimax in einen dichten Papierregen tauchten. 

Die Reaktionen vielen unterschiedlich aus: Der Rektor brach daraufhin die Veranstaltung ab und versuchte die Besetzer durch das Orchester übertönen zu lassen. Die anwesenden Schüler klatschten noch lange Beifall.

Doch wir wollten die Schüler nicht nur über die Zwangsgebühr an der Universität informieren, sondern ihnen einen Überblick über den Bildungsstreik und seine Ziele geben. Deshalb wurde in dieser Zeit bereits einem umfassenden Vortrag der letzte Schliff verpasst, der ab 11 Uhr stündlich im H2 wiederholt wurde und von insgesamt etwa 1200 Schülern besucht wurde. 

"Witzig", "Charmant", "Informativ", waren die Rückmeldungen die die Streikenden für ihre Infoveranstaltung  erhielten, in der die Schüler einmal quer durch die Geschichte der Besetzung geführt wurden: Von der Vollversammlung, über die ersten Aktionen, den 23. Dezember und den Wiedereinzug bis hin zur aktuellen Situation der wiederaufgenommenen Vollbesetzung. Nebenbei bildeten sich viele Gesprächskreise, da viele Schüler die Möglichkeit nutzten um sich von alteingesessenen Studenten über verschieden Studiengänge beraten zu lassen. 

Gleichzeitig arbeitete die AG Presse auf Hochtouren. Mehrere Radioberichte, Mz Artikel, und Videos auf verschiedenen Nachrichtenplattformen waren der Lohn für ihre Mühen und verkündeten auch nach außen hin: Der H2 war der inoffizielle Star des Hochschultags. Keine andere Veranstaltung hatte soviele Besucher und war über den ganzen Tag hinweg derartig präsent.

Doch man verliert sich hier in weitschweifigen Detailberichten, obwohl die Frage nach Teufel oder glücklicher Fügung noch immer im Raum steht.

Fassen wir die Ereignisse zusammen: 

- 5:30: Es werden von den Besetzern Begrüßungssprüche mit Kreide in die Tiefstraße gemalen.

- 7:30: Diese werden von der Hochschulleitung wieder entfernt.

- 9:00: Die ersten Schüler strömen in das ZH, die Besetzer nehmen ihre Arbeit auf.

- 9:30: Im gesamten ZH hängen die Banner und Plakate der Besetzer, sowie Programmhinweise auf die Veranstaltungen im H2. Es gibt Kaffee für die Schüler im H2.

- 10:45: Die Theateraufführung im Audimax findet statt.

- 11:00 und 12:00: Die ersten Vorträge über die Besetzung informieren knapp 1000 interessierte Schüler.  Es bilden sich im Anschluss viele Gesprächskreise. Auch Kuchen kann inzwischen angeboten werden.

- 13:00: Die ersten Schüler nutzen den Schulschluß und verlassen den Hochschultag, trotzdem noch rund 200 Schüler im H2.

- 16:00: Glückliche Erschöpfung macht sich unter den Besetzern breit.

Zusätzlich wurden die Schüler die gesamte Zeit über vom Infostand und der AG Schüler informiertet und beraten. 

Man sieht am Entfernen der Kreideschriften in der Tiefstraße und den massiven Räumungsdrohungen im Vorfeld, dass die Hochschulleitung wenig Interesse daran hatte, dass wir unsere Inhalte am Hochschultag vertreten konnten. Jedoch wagte sie es nicht, gegen uns vorzugehen solange Schüler und Presse anwesend waren. Besonders nicht, da die Schüler durchaus Interesse und Verständnis für die Besetzung zeigten. Und da unsere gesamten Aufbauarbeiten erst stattfanden als bereits viele Schüler im ZH waren, verliefen die Stunden von 9-11 Uhr zwar sehr stressig, aber auch ungestört von Querschüssen aus der Verwaltung.

 Und somit möchte ich doch sagen: Glückliche Fügung. Der frühe Vogel fängt bekanntlich den Wurm, zwischen den Besetzern und der Hochschulleitung herrscht aber zur Zeit eher das Verhältnis Maus und Eule. Denn wenn es zu hell wird, hat die Eule keine Lust mehr etwas gegen die Maus zu unternehmen.

Und dieses Licht der Öffentlichkeit werden wir auch weiterhin suchen, unsere Ideen, Wünsche und Vorstellungen darin zur Schau stellen und die Bevölkerung erfahren lassen, warum und für was wir hier wirklich Kämpfen: Um die Zukunft ihrer Kinder. 

 

In eigener Sache möchte ich noch sagen: 

Es war ein scheiß anstrengender Tag und ich konnte mich am Mittag bereits nicht mehr auf einen Stuhl setzen ohne sofort einzuschlafen. Aber es war ein unglaublich tolles Gefühl mit den Schülern zu sprechen, Die Veranstaltungen zu organisieren und zu erzählen und zu erklären was hier vor sich geht. 

Es ist schade, dass man gerade als Lehramtsstudent erst eine Universität besetzen muss, um einmal mit Kindern arbeiten zu können. Aber wenn der Staat nichts macht, muss man sich mal wieder selbst helfen. 

1 Kommentar Krümel am 27.2.10 12:02, kommentieren

Ein Hochschulinformationstag - und seine Folgen?

 Ein verdammt langer Tag.

Wir haben im H2 über 1000 Schüler über den Bildungsstreik informiert, mit enormer positiver Resonanz.

Darüberhinaus: Mehrere tausend Flyer verteilt, stundenlang persönlich mit Schülern geredet und diskutiert, mit dem Megafon Reden im ZH gehalten, Vortrag des Rektors durch Aktion unsererseits beendet - der Rektor flüchtete sich hinter die Blaskapelle, welche prompt anfangen musste zu spielen. Unser Infostand war durchgehend von Schülern belagert. Auch die MZ hat Notiz davon genommen.

Hochschulinformationstag - schön und gut, aber es muss auch kritische Stimmen geben. Wir wollen niemandem das Studium ausreden, aber wer eins plant, muss vollständig informiert sein.

 

Seit dem Ende der Veranstaltung wird - wieder einmal - die Räumung erwartet.

Momentan ist es 02:49 Uhr im besetzten H2. Vereinzelt wurden auffällig langsam fahrende Polizeiautos in der Tiefstraße gesichtet; wir warten weiterhin. Wir bleiben hier.

Egal, was passiert - der Bildungsstreik in Regensburg ist noch lange nicht tot. Es geht weiter!

1 Kommentar Elwinchen am 27.2.10 02:51, kommentieren